Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels gab im Dritten Reich die Richtlinien des „rechten Denkens“ vor. Das Hauptziel der Reichskulturkammer war die staatliche Organisation und Überwachung bzw. Kontrolle der Kultur. Demnach diente die Reichskulturkammer der Gleichschaltung der Kultur, um alle gesellschaftlichen Bereiche zu kontrollieren. Heute gibt es den „linken“ Mainstream und dessen politische Korrektheit. Eine mächtige Allianz aus Merkel, Gauck und anderen Spitzenpolitikern, aus Gewerkschaften, Kirchen, muslimischen Verbänden, die Amadeu-Antonio-Stiftung, den großen Medien und Talkshows bis hin zur terroristischen Antifa und einem Justizminister der sich eher als Gesinnungsminister hervortut. Sie teilen in Hell-Deutschland und Dunkel-Deutschland. Sie stellen jeden der nicht dem „linken“ Mainstream und dessen politische Korrektheit entspricht in die rechten Ecke bzw. diffamieren sie ggf. gleich als Nazis. Dieser Mainstream, diese Gut"herren"menschen ersetzen das Grundgesetz. Sie verbreiten und verüben ein subtiles Klima der Angst und Unterdrückung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Sie üben Zensur und gesellschaftlichen Druck aus, wo immer es ihnen möglich ist. Sie geben das neue „Rechte Denken“ vor und schränken das Grundrecht auf Meinungs- und Informationsfreiheit ein. Da würde selbst ein Joseph Goebbels vor Neid erblassen. Dieser Blog – soll "Neues" aus der „neuen Reichskulturkammer“ - mit zusammengetragenen Beiträgen aus dem Internet - widerspiegeln.
Der Philosoph Theodor W. Adorno: „Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.“Sunday, September 20, 2015
Werden Verbrechen verheimlicht?
Zu den Opfern zählte auch ein dreijähriges Mädchen. Im Aachener Raum erschütterten jüngst vier Vergewaltigungsfälle die Öffentlichkeit. Verstärkt wurde das Entsetzen, als bekannt wurde, die Vergewaltiger seien vorbestrafte Wiederholungstäter – die eng kontrolliert würden. Im Rahmen des sogenannten "KURS"-Programms seien sie von Kommune, Polizei und Justiz besonders gründlich beaufsichtigt worden. Angeblich. Eine Lokalzeitung fragte daraufhin beim Landeskriminalamt (LKA), wie hoch denn die Rückfallquote bei derart "gut kontrollierten" Sexualtätern liege. Doch das LKA verweigerte die Auskunft. Um die Persönlichkeitsrechte rückfallgefährdeter Täter zu schützen, wolle man dies der Bevölkerung nicht mitteilen.
Sogleich wurde das Ministerium von Medienanfragen geflutet, die Opposition blies zur Attacke. Und eine Polizeigewerkschaft begann, die Zahl auf eigene Faust zu recherchieren. Der Innenminister verbot seiner Polizei zwar, der Gewerkschaft Auskunft zu geben. Die kam trotzdem an das Ergebnis. Schließlich gab die Regierung nach und lüftete das Geheimnis: Rund zwei Prozent der KURS-Teilnehmer werden rückfällig. Die Aufregung hätte sich also legen können.
Doch seit diesem Bekenntnis dieser Heimlichtuerei macht eine besorgte Frage die Runde: "Was wissen die Bürger über die wahren Ausmaße der kriminellen Bedrohung?", so CDU-Rechts- und Innenpolitiker Peter Biesenbach. Die Antwort: Viel weniger, als sie glauben. Und viel weniger als möglich. Seit Jahren wird das etwa bei den periodisch wiederkehrenden Diskussionen über das Ausmaß deutschenfeindlicher oder islamfeindlicher Straftaten deutlich. Diese Debatten bewegen sich stets im luftleeren Raum, weil niemand untersucht, ob oder inwieweit es derart motivierte Kriminalität gibt. Zwar könnte das Land darauf drängen, die routinemäßige Erfassung von Straftaten durch die Polizei um diese Kriterien zu erweitern. Doch im Innenministerium scheut man solchen Erkenntniszugewinn. Er gilt als zu heikel.
Ähnlich steht es um die alte Streitfrage, ob der Zuwanderungshintergrund von Straftätern erfasst werden soll. Nachdem aus Berlin bekannt geworden war, dass dort 81 Prozent der jungen Intensivtäter Zuwanderungsgeschichte besitzen (fast ausnahmslos türkische oder arabische), forderten CDU und Polizeiverbände, auch in NRW die Zuwanderungsgeschichte zu erfassen, weil man Probleme nur lösen könne, wenn man ihr Ausmaß kenne. Auch dies lehnte Rot-Grün ab. Übrigens aus einem noblen Motiv: Den Menschen mit Zuwanderungsgeschichte könnte daraus allzu pauschal ein Strick gedreht werden. Wo man in diesem Streit auch stehen mag – Fakt ist: Über gruppenfeindliche Kriminalität und potenziell gewaltaffine Milieus wissen wir weniger als möglich.
Gravierende Wissensmängel existieren auch bei den Ausmaßen der kriminellen Bedrohung in NRW. Darin sind sich Erich Rettinghaus und Wilfried Albishausen, die Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) und des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (DBK), einig. Den Grund dafür verorten sie in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). Genauer: in deren Art, Straftaten und Tatverdächtige zu erfassen. Denn allen Polizeiverbänden zufolge rechnet die PKS die Zahl der Straftaten teils drastisch herunter. So zählt sie aus dem Ausland begangene Straftaten gar nicht mit, obwohl zum Beispiel in der Internetkriminalität ein Großteil der Betrügereien und der Spionage aus dem Ausland unternommen wird, wie der Branchenverband Bitkom bestätigt. Zudem folgt die PKS der Devise "ein Täter ist ein Fall" – gleich, ob er Tausende Menschen geschädigt hat oder einen. Und so ergibt ein Internetkrimineller, der sich Tausende Online-Identitäten klaut und damit Tausende Internetnutzer um ihr Geld bringt, nur einen Fall in der Statistik. Auch wer bei Ebay fünftausendfachen Betrug begeht, wird als ein Fall geführt. Im Online-Bereich darf man die Zahl der Taten also allemal mit Tausend multiplizieren, um zu ahnen, wie oft tatsächlich Recht gebrochen wird.
Der grundlegendste Mangel der PKS liegt laut Verbänden und Innenpolitikern jedoch darin, dass sie nur das "Hellfeld" abbildet, also nur Straftaten zählt, die der Polizei in gut dokumentierter Form bekannt sind. Deshalb fordern Kriminologen und CDU-Opposition, die PKS um eine "Dunkelfeldanalyse" zu ergänzen. Damit gemeint: Durch Opfer- und Täterbefragung müsse man abschätzen, wie viele zusätzliche Straftaten begangen, aber nicht erfasst wurden. Dass der Unterschied zwischen registrierten und tatsächlich begangenen Verbrechen gewaltig ist, legt die Forschung nahe.
Eindeutig ist etwa die Studie des Kriminologen Karlhans Liebl von der sächsischen Polizeihochschule. Er befragte repräsentative Bevölkerungsgruppen im Land, um zu ermitteln, wie viel Prozent der Sachsen Opfer von Straftaten geworden seien. Das Resultat verglich er mit den Zahlen der sächsischen PKS. Ergebnis: Die offizielle Statistik spiegelt nur einen winzigen Bruchteil der Kriminalität wider. Im Auftrag der DPolG wurden die Ergebnisse auf NRW umgerechnet. Demnach werden hierzulande 71 Mal mehr schwere Körperverletzungen begangen als offiziell bekannt. Bei den leichten Körperverletzungen gibt es gar 89 Mal mehr Übergriffe als gemeldet.
Wie es zu dieser Diskrepanz kommt, erklärt die Liebl-Studie ebenfalls. Meist verzichten Opfer auf eine Anzeige, weil die Angst vor dem bekannten Täter zu groß, die Hoffnung auf einen Nutzen der Anzeige zu klein oder die Scham angesichts der Tatumstände zu ausgeprägt ist. Das veranschaulicht auch die Online-Kriminalität, deren reale Ausmaße die PKS scheinbar ad absurdum führen. So machen über 50 Prozent aller deutschen Internetnutzer pro Jahr böse Erfahrungen mit Netzkriminalität, wie eine Untersuchung des Branchenverbands Bitkom ergab. Auf NRW übertragen wären das rund sieben Millionen Menschen.
In der PKS für NRW werden aber nur rund 50.000 Straftaten gemeldet, die mithilfe des Internets begangen wurden. Mehr Anzeigen gab es nicht. Laut Bitkom gibt es für den mangelnden Anzeigewillen einsichtige Ursachen. Wer etwa eine Schmuddelseite besuchte und anschließend horrend zur Kasse gebeten wird, schämt sich oft. Auch Unternehmen fürchten häufig Imageschäden, falls bekannt wird, dass sie ausspioniert wurden. Außerdem bemerken viele Nutzer nicht, dass ihnen beispielsweise monatlich 20 Euro vom Konto abgezogen werden. Einen weiteren Grund für das Missverhältnis zwischen Statistik und Ergebnissen der Dunkelfeldforschung führt die Drogenkriminalität vor Augen. Laut Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (von 2004) hat die Hälfte aller 12- bis 25-Jährigen schon Drogen angeboten bekommen, ein Drittel hat welche konsumiert. Drogenhandel ist hierzulande also eine Größe.
In der NRW-PKS 2011 taucht der Begriff Drogenhandel dagegen gar nicht auf. Der Grund: Drogenhandel ist ähnlich wie die Geldwäsche eine "opferlose Kriminalität". Wo eine Straftat aber keine unmittelbaren Opfer produziert, wird kaum angezeigt. Das heißt: Wer das Ausmaß dieser Kriminalität einschätzen will, muss ermitteln. Wird nicht ermittelt, bleibt die Kriminalitätsrate niedrig.
Genau deshalb ist die PKS eine so regierungsfreundliche Statistik. Sie bestätigt die Politik: Gründet der Innenminister Sonderkommissionen gegen Rocker, werden auch mehr Straftaten in diesem Milieu aufgedeckt – die das Regierungshandeln zu bestätigen scheinen. Und umgekehrt: Reduzieren Minister oder Behördenleiter Ermittlungen in anderen Bereichen (mit Vorliebe der "opferlosen Kriminalität"), werden von dort weniger Straftaten bekannt – und niemand kann dies als Fehlentscheidung decouvrieren. Der BDK-Vorsitzende Albishausen kommt daher zu einem herben Fazit: "Dass die Bevölkerung manipuliert wird, ändert sich vielleicht nie. Aber wenigstens sollte sie darum wissen".
Quelle: Welt.de
Saturday, September 19, 2015
Erbauungslektüre und Mitleidsporno
Trotz dieser Bedenken ist die Veröffentlichung von den meisten Medien begrüßt worden, und auch von vielen, die ihre Meinung über die sozialen Netzwerke kundtun. Aber woher rührt diese Zustimmung? Dass die Invasion Europas auch junge Opfer fordert, ist allgemein bekannt. Und warum verweigert man dem Dreijährigen diejenige Anonymität, die sonst dem Presserat zufolge sogar Schwerkriminelle aufgrund ihres Persönlichkeitsrechts beanspruchen dürfen? Während Straftäter willentlich einen Anlaß für Berichterstattung setzen, tat Aylan dies keineswegs; er konnte einfach nicht schwimmen.
Fürsprecher der Veröffentlichung verweisen darauf, dass erst solche Symbolfotos – wie das des vietnamesischen Napalm-Kindes oder des kleinen Jungen aus dem Warschauer Ghetto – die Menschen emotionalisieren, den Konflikt ‚fühlbar’ machen. Nach drei Jahren Krieg in Syrien und Nordirak, nach all den widerlichen, bestens dokumentierten Grausamkeiten von ISIS und Assad sollte der Krieg jedoch ausreichend ‚gefühlt’ sein. Anderenfalls müsste man von einem Versagen der Medien sprechen.
Im übrigen ist der oft betonte und unbestreitbare Symbolgehalt des Fotos ein zweischneidiges Argument. Denn Symbolik bedeutet eben auch, dass es weniger um die konkrete Person des Opfers geht als um ihre Abbildung als entindividualisiertes Objekt. Das aber ist die juristische Definition von Pornographie, nur dass es im Falle Aylans nicht um die Befriedigung sexueller, sondern voyeuristischer Bedürfnisse geht. Ist das Foto also Mitleidsporno? Und wäre das Bild eines ertrunkenen deutschen Jungen auf Sylt, der nichts mit Flucht und Vertreibung zu tun hat, auch so begrüßt worden? Zu vermuten ist: Nein. Eher hätten die High Commissioners der Verlogenheit diese Medien der Sensationsgier geziehen.
Wie also entscheiden? Da ethische Gründe gegen eine Veröffentlichung nie zwingend sind, sondern sich nach Lebenskreis, Erfahrung, Kultur und persönlicher Berührbarkeit unterscheiden, sollte man mit Blick auf die Berichterstattungspflicht der Presse grundsätzlich alle Bilder freigeben. Anderenfalls hätte man auch die Fotos aus dem Warschauer Ghetto, aus Vietnam oder dem Jugoslawien-Krieg nicht zeigen dürfen. Zudem nannte mir einst ein Künstler ein metaphysisches Argument für die Veröffentlichung: Letztlich sei es doch der Herrgott, der sich diese Bilder mache; wolle man ihn etwa korrigieren? Ganz ernst war das nicht gemeint, aber es zeigt den Zwiespalt: Gibt es einen Gott, scheint er mit diesem Bildern einverstanden; gibt es ihn nicht, entfällt auch die Grundlage jeder verbindlichen Ethik.
Lässt man diese Argumente jedoch nicht gelten, gibt es nur einen halbwegs sicheren Weg zur richtigen Erkenntnis: Den Deutschen Presserat. Was immer diese pressefeindliche Clownsveranstaltung entscheidet – im Zweifel ist genau das Gegenteil richtig!
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Einige Zeitungen brachten zuletzt Klarfotos besonders widerlicher Zeitgenossen, die geschmacklose Dinge gepostet oder ausländische Kinder in der Berliner U-Bahn angepinkelt hatten. Ich habe damit keine Schwierigkeiten, halte die öffentliche Anprangerung auch nicht für falsch. Aber warum nur in diesen Fällen? Warum zeigt man nicht auch die Muslime im Foto, die „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ skandierten? Die auf ihren Sites endlose Hasstiraden veröffentlichen? Die für die Entführung und Ermordung der israelischen Jungen lobende Worte fanden? Auch hier wieder: Kein Aufschrei der üblichen Verdächtigen. Geht es gegen ‚rechts’, ist alles erlaubt, was man zuvor noch empört kritisierte.
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Nach Schätzungen des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) sind rund 80 Prozent der hiesigen 800.000 ‚Flüchtlinge’ Anhänger des Islam. Ein älterer jüdischer Bekannter, der im letzten Jahr die anti-semitischen Haßgesänge der Muslime in Frankfurt erlebte, merkt dazu an: „Zweimal haben die Deutschen im letzten Jahrhundert Europa ins Chaos gestürzt, jetzt machen sie es mittels der islamischen Invasion ein drittes Mal. Aber diesmal werden sie vollständig mituntergehen, doch ist es, anders als früher, kulturell kein Verlust mehr.“
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Vor fünf Jahren verkündete Angela Merkel: „Multikulti ist gescheitert, und zwar komplett.“ Nun heißt das Motto für den multikulturellen Zuzug: „Wir schaffen das!“ So kann’s gehen.
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Einige Leser schrieben zu meinem letzten Eintrag, dass es durchaus dystopische Migrations-Literatur gebe, so Jean Raspails „Das Heerlager der Heiligen“, gerade in einer Neuübersetzung erschienen. Das ist richtig und falsch: Falsch deshalb, weil das Buch 1973 erschien, also nicht aus der Anschauung der letzten Jahre geschöpft ist, seinen Grund nicht in ISIS, Charlie Hebdo oder den Mordanschlägen auf Juden, Soldaten und Filmemacher hat. Unabhängig davon sei es wirklich jedem empfohlen. Es gibt zur Zeit keinen böseren, klügeren, amüsanteren Roman über das Versagen der westlichen Welt und ihre erbärmliche Feigheit, die sich als Humanität tarnt. Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine Armada von 100 Schiffen bricht mit 800.000 indischen Wirtschaftsflüchtlingen auf, die meisten Bauern, Bettler, Unberührbare, Kotkneter – mithin sämtlich, in der heutigen Dikton, Facharbeiter. Sie alle suchen ein besseres Leben, und sie suchen es in der westlichen Welt. Allen Regierungen ist klar: Sollte die Armada, die schließlich Kurs aufs Mittelmeer nimmt, landen können, werden Hunderte andere Flotten folgen, der Westen wird untergehen. Und mit ihm seine Kunst, seine Kultur, seine Städte und Dörfer, seine politische Verfasstheit, auch die Menschenrechte. „Alles hängt von den Franzosen ab, nicht wahr? Glaubst Du, dass sie noch fähig sind, eine Million waffenloser Jammergestalten zu töten?“ Das ist die entscheidende Frage, und natürlich sind sie es nicht. Gegen den Chor der Gutmenschen, gegen das Gift der falschen Humanität ist jeder Widerstand zwecklos. Auch Soldaten wollen keine ‚Mörder’ mehr sein, der Wolf nicht mehr Wolf. So werden die Schakale übernehmen, nur eben noch rassistischer, brutaler, primitiver. Und ohne christliche Nächstenliebe, ohne die Verklärung durch Musik, Kunst, Wissenschaft, Kultur.
Immer wieder verblüfft der prophetische Blick dieses Buches von 1973. Australien verweigert jede Aufnahme der ‚Flüchtlinge’, die Schweiz mobilisiert, Sender und Zeitungen erfinden „Willkommensprojekte“. Das Mittelmeer wird zum Ort der finalen Auseinandersetzung, der Papst, der alle vatikanischen Kunstschätze für die Bedürftigen verkauft und als armer, von niemandem ernstgenommener Narr endet, heißt Benedikt XVI. Auf den Straßen Demonstrationen und Volksfeste der Barmherzigkeit. Und viele Sätze der Xenophilie und des Selbsthasses, die Raspail seine Protagonisten sprechen lässt, hört man heute wörtlich im Fernsehen.
Vor allem ist der Roman, bei manch kolportagehafter Schwäche, von großer Komik. „Wir haben“, so berichtet ein Abt über seinen Beitrag zur Willkommenskultur, „den ganzen Karfreitag gefastet und gebetet, in Anwesenheit von Dom Vincent Laréole, der zu diesem Zwecke frühzeitig von einem buddhistischen Kongreß in Kyoto zurückgekehrt ist.“ Amüsanter lässt sich die Verachtung für das zweite vatikanische Konzil und all seine ökumenische Beliebigkeit, die auch nur Selbstaufgabe ist, kaum fassen. Selbst die Bischöfe sind längst „Kondottiere der Heiden“.
Bei aller bedrückenden Schwarzmalerei, die Dystopien so mit sich bringen, gibt es allerdings auch Momente der Erbauung. Alle Jubelperser der Einwanderung werden von den neuen Herren bestialisch ermordet, ihre Freundinnen vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen. Als ethnische Minderheit sind nun eben die weißen Frauen für die Eroberer von exotischem Reiz. Auch hier merkt man den Katholiken im Autor: Mögen auch Christentum, Europa und alle seine Werte zugrunde gehen – die göttliche Gerechtigkeit wird sich erfüllen. So bleibt doch Hoffnung. (Jean Raspail ‚Das Heerlager der Heiligen‘, Antaios Verlag, 22.- Euro. http://antaios.de/gesamtverzeichnis-antaios/nordost/5957/das-heerlager-der-heiligen )
Quelle: http://nicolaus-fest.de/
Propaganda?
allein die Herrschaft der Medien betrachtet, da gibts eben doch sehr starke Beeinflussungen…die Einseitigkeit, die Irreführung der öffentlichen Meinung, hat man ja am Beispiel Syrien gesehen, das ist ein konzentrierter Beschuss….” Peter Scholl-Latour
verstehen, wird es möglich sein, die Massen, ohne deren Wissen, nach unserem Willen zu kontrollieren und zu steuern“. Edward Bernays
Propaganda ist also primär ein Herrschaftsinstrument zur Manipulation und Steuerung der Massen. Damit ist zunächst einmal nichts darüber gesagt, ob die Ziele der Propaganda ethisch betrachtet positiv oder negativ sind. Eine Propagandakampagne kann durchaus mit dem Ziel eingesetzt werden, medizinisch notwendige Impfungen in einer Bevölkerungsgruppe populär zu machen. Sie kann zur Aufklärung über Gefahren dienen oder auch zum gegenseitigen Verständnis unterschiedlicher Gruppen.
Propaganda kann aber eben auch zur Dämonisierung Andersdenkender, zur Mobilisierung für Kriege und Pogrome und zur Hirnwäsche ganzer Völker und Nationen benutzt werden, die sich in der Folge anderen Völkern und Nationen gegenüber überlegen fühlen. Propaganda kann also prinzipiell genauso gut Toleranz und Völkerverständigung fördern, wie Hass und Krieg.
Woran erkennt man Propaganda?
Die wichtigste Kennzeichen für Propaganda als Herrschaftsinstrument sind Einseitigkeit in der Darstellung politischer Zusammenhänge, gezielter Aufbau von Feindbildern (Dämonisierung) und der Kampagnencharakter beim Versuch, Meinungen zu beeinflussen.
Dabei muss Propaganda nicht zwangsläufig laut und aufdringlich sein, wie im Deutschland der Nazizeit. Heute kommt Propaganda mitunter verdeckt, klandestin und auf leisen Sohlen daher. Sie gibt sich mitunter humanitär und den Menschenrechten verpflichtet, um die Legitimation oder stillschweigendes Einverständnis für Krieg und Massenmord zu erhalten.
Grundsätzlich heißt es immer dann besonders aufmerksam zu sein, wenn Massenmedien Feindbilder erzeugen wollen. Ob das “der Jude” ist, “der Russe”, “der Islam”, oder Personen wie Ahmadinedschad, al-Gaddafi, al-Assad oder Vladimir Putin, die dämonisiert werden. Propaganda erkennt man an der Einseitigkeit und Vehemenz, mit der gleichgeschaltet wirkende Medien Meinungen machen.
Aus einem Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung:
“Propaganda ist der Versuch der gezielten Beeinflussung des Denkens, Handelns und Fühlens von Menschen. Wer Propaganda betreibt, verfolgt damit immer ein bestimmtes Interesse. In Verbindung mit dem Krieg machen Politiker und Militärs von Propaganda Gebrauch, um zum Beispiel die eigene Bevölkerung von einem Krieg zu überzeugen. Sie betonen die Notwendigkeit des Krieges (vernichtenswerte Feinde, Sicherheit der eigenen Bevölkerung, Absetzung eines brutalen Regimes etc.) und blenden alle anderen Aspekte aus (eigene Macht- und Wirtschaftsinteressen, ausgelöstes Kriegsleid, Kriegsverbrechen der eigenen Soldaten etc.). Propaganda wird aber auch eingesetzt, um Soldaten für den Krieg zu rekrutieren oder die Kampfbereitschaft des Militärs aufrechtzuerhalten. Ein Mittel hierfür ist beispielsweise, die Bedrohlichkeit des Feindes hervorzuheben, um Aggressionen gezielt auf ihn zu lenken. Gegenüber dem Kriegsgegner verfolgt Propaganda vor allem das Ziel, die Kriegsmoral der gegnerischen Bevölkerung und Soldaten zu schwächen oder durch die Verbreitung falscher Informationen den Gegner zu täuschen. Staaten, die Mitglieder militärischer Bündnisse sind, versuchen darüber hinaus häufig, durch Propaganda die Bündnispartner von der Notwendigkeit eines Kriegseinsatzes zu überzeugen und ihre Beteiligung an militärischen Aktionen zu erreichen…
…Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen. Hier zeigt sich der große Unterschied etwa zur journalistischen Information: Journalisten betreiben Aufklärung, indem sie alle verfügbaren Fakten und Hintergründe darlegen und die Menschen selbst entscheiden lassen, was richtig und was falsch ist.”
Quelle: https://propagandaschau.wordpress.com
Systematische Desinformation: ARD und ZDF füllen Nachrichtensendungen mit Boulevard
Nach 13 Minuten Weltpolitik schaltet das ZDF nahtlos in einen Werbeblock für den französischen Modemacher Jean Paul Gaultier – wohlgemerkt: wir sind noch in den Hauptnachrichten! Unter dem Vorwand “Wie weit darf Mode gehen?” wird ausführlich über eine “Art Werkschau” des Designers berichtet. Satte 2 Minuten für einen Modekonzern in den Hauptnachrichten – so sehen “constructive news” eines Staatsfunks aus, dessen Auftrag Desinformation, Verblödung, Konsumismus und Infantilisierung der Zuschauer ist.
Angesichts einer alarmierenden Weltlage mit instabiler Wirtschaft, wankenden chinesischen Börsen, eines Krieges in Europa, eines Krieges in Syrien, der hunderttausende Flüchtlinge in die EU treibt, eines vom Westen betriebenen Stellvertreter-Krieges im Jemen, neu auflebender Pegida-Demonstrationen im Osten und vielen weiteren in- und ausländischen Themen, deren Inhalte und Entwicklung für deutsche Bürger von maßgeblichem Interesse sind, ist das eine höchst bemerkenswerte und zweifellos politisch intendierte Maßnahme.
Wir haben hier mehrfach darüber berichtet, wie vor allem seitens der ARD mit dem ideologischen Unterbau der sogenannten “constructive news” und dem vorgeschobenen Verweis auf angeblich verschreckte Bürger, die den Kopf lieber in den Sand stecken, als sich objektiv und umfassend zu informieren, gezielt versucht wird, den Informationsauftrag aus dem Rundfunkstaatsvertrag zu untergraben, um die Zuschauer in den Nachrichtenformaten mit “Heile Welt” und Boulevard-Müll zu sedieren.
Wie die Verantwortlichen auf die absurde Idee kommen, der Bürger könne gezwungen werden, für diese unverschämte Desinformation und Werbung auch noch zu bezahlen, bleibt ihr Geheimnis.
Quelle: https://propagandaschau.wordpress.com
Saturday, September 5, 2015
Religionsfreiheit - "Es tut mir leid, aber meine Religion verbietet es mir"
Aus dem Kopftuch-Urteil spricht eine Naivität, wie man sie sonst nur in Positionspapieren von Anthroposophen findet. Das Oberste Gericht hat eine ideologisch aufgeladene Entscheidung getroffen.
Wenn es um Glauben und Religion geht, fängt jede Debatte immer wieder bei Null an. Religionsfreiheit zum Beispiel wird als die Freiheit verstanden, sich seine Religion aussuchen zu dürfen, so wie man in einem Sportverein seiner Wahl Mitglied wird oder selber bestimmt, wie man sich ernähren möchte: Fleischig, vegetarisch oder vegan.
Aber Religionsfreiheit ist mehr. Sie bedeutet auch, keine Religion zu haben und von religiösen Zwängen verschont zu bleiben. So wie das Wahlrecht auch die Möglichkeit einer Wahlenthaltung bietet. Dass sich gläubige Menschen in Gotteshäusern versammeln, dient nicht nur dem Wunsch, gemeinsam zu beten. Es ist auch eine Art von Rücksichtnahme gegenüber der Öffentlichkeit.
Beim Beten beobachtet zu werden oder betende Menschen zu beobachten, kann so peinlich sein, wie einem Paar beim Sex zuzusehen, das vergessen hat, die Gardinen zuzuziehen. Exhibitionisten und Voyeure mögen so etwas stimulierend finden, die meisten törnt es eher ab.
"Es tut mir leid, aber meine Religion verbietet es mir"
Nun machen wir in der letzten Zeit eine seltsame Erfahrung: Je weltlicher die Gesellschaft wird, desto mehr nimmt der Respekt vor dem Religiösen zu. Ich mache mir das gelegentlich zunutze; schon als Schüler bin ich oft erst zur dritten Stunde in der Schule erschienen, weil ich es eine Zumutung fand, im Morgengrauen aufstehen müssen.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Statt mich auf Debatten einzulassen, lehne ich Einladungen zu vormittäglichen Events mit einem Satz ab: "Es tut mir leid, aber meine Religion verbietet es mir, vor zehn Uhr aufzustehen." Je nach Situation kann es auch elf oder zwölf Uhr sein. Und es funktioniert. Keiner fragt, was das für eine Religion ist, die mir das frühe Aufstehen verbietet, denn niemand möchte meine religiösen Gefühle verletzten.
Nach und nach erweitere ich mein Programm. Ich esse fast, aber eben nicht alles. Tofu, Rohkost, Müsli, Sushi und Labskaus sind mir ein Gräuel. Weil aber nur Laktose-Intoleranz und Gluten-Allergie zu den anerkannten Ablehnungsgründen zählen und weil ich nicht unhöflich sein will, sage ich lieber: "Es tut mir leid, ich esse nur koscher" bzw. "halal", wenn ich das Gefühl habe, dass meine Gastgeber eher Islamophile als Philosemiten sind. Und weil die meisten Leute keine Ahnung haben, was "koscher" oder "halal" wirklich bedeutet, außer dass es das neue Bio ist, komme ich damit durch.
Wo setzt der gesunde Menschenverstand ein?
Ich finde das einerseits sehr praktisch, andererseits aber auch erschreckend. Wo hört der Respekt vor der Religion auf und wo setzt der gesunde Menschenverstand ein? Vor Jahren besuchte ich in Boston eine "Kirche", an deren Spitze ein "Reverend" stand, dem im Traum ein Wesen erschienen war und ihm den Auftrag gegeben hatte, die Erde zu retten. Die Menschheit sollte aufhören, sich zu vermehren.
Das einzige Gebot dieser Glaubensgemeinschaft war: "Thou shalt not procreate" - Du sollst dich nicht fortpflanzen. Zu diesem Zweck propagierte die "Church of Euthanasia" u.a. Selbstmord, Abtreibung, Kannibalismus und Analsex als Mittel der Bevölkerungsreduktion. Obwohl die Kirche nur einige Hundert Mitglieder zählte, war sie als Glaubensgemeinschaft anerkannt. Spenden konnten von der Steuer abgesetzt werden.
Es gibt in den USA auch Nudistenvereinigungen, die sich als Kirchen konstituiert haben. Selbstverständlich haben die Gläubigen bei den Andachten nichts an. Man mag das albern, absurd oder abwegig finden, aber es kann für alles eine theologische Erklärung geben. Nur im Zustand völliger Nacktheit sind alle Menschen wirklich gleich.
Aus dem Kopftuch-Urteil spricht Naivität
Ich würde gerne die Begründung lesen, mit der das Bundesverfassungsgericht einem deutschen Ableger der "Church of Euthanasia" oder einer Nudistenkirche die Anerkennung als Glaubensgemeinschaft verweigert. Vermutlich mit Hinweis auf die guten Sitten und das moralische Empfinden der Bevölkerungsmehrheit. Beim Kopftuchurteil hat das Oberste Gericht der Bundesrepublik anders argumentiert.
Nicht nur juristisch, wobei es sich eine klare Bewertung des Kopftuches versagte, sondern auch pädagogisch. Es sei gerade die Aufgabe der Gemeinschaftsschule, "den Schülerinnen und Schülern Toleranz auch gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen zu vermitteln".
Und: "Dieses Ideal muss gelebt werden dürfen, auch durch das Tragen von Bekleidung, die mit Religionen in Verbindung gebracht wird, wie neben dem Kopftuch etwa die jüdische Kippa, das Nonnen-Habit oder auch Symbole, wie das sichtbar getragene Kreuz." Vom Tragen eines islamischen Kopftuchs gehe "für sich genommen noch kein werbender oder gar missionierender Effekt aus". Umgekehrt gebe es keine Rechtfertigung "für eine Bevorzugung christlich und jüdisch verankerter religiöser Bekundungen".
Aus dem Urteil spricht eine Naivität, wie man sie sonst nur in Positionspapieren von Anthroposophen findet. Allein der Satz: "Dieses Ideal muss gelebt werden dürfen" zeigt, wie ideologisch aufgeladen die Entscheidung ist. Es ist nicht Aufgabe der Verfassungsrichter, Ideale festzulegen. Immerhin haben zwei Richter des Ersten Senats in einer "abweichenden Meinung" der Ansicht ihrer Kollegen widersprochen. Ein Umstand, der in der Berichterstattung übergangen wurde und der dafür spricht, wie schwer sich Juristen mit der Frage tun, was ein Kopftuch von einem Kreuz oder einer Kippa unterscheidet.
Von "Nonnen-Habit" geht kein Gefühl der Bedrohung aus
Auf diese Frage kann es in der Tat nur eine politische und keine juristische Antwort geben. Statt zu verkünden, der Islam gehört zu Deutschland, ohne darüber nachzudenken, dass damit auch Zwangs- und Kinderehen, Unterdrückung der Frauen, Polygamie und praktizierte Homophobie zu Deutschland gehören, könnte ein Politiker aufstehen und sagen:
"Mal langsam Leute. Auch wenn viele Deutsche das Abendmahl für eine Reality Show auf RTL 2 halten, Deutschland ist und bleibt ein christlich grundiertes Land. Deswegen feiern wir Ostern, Pfingsten und Weihnachten, Mariä Empfängnis und Christi Himmelfahrt. Das macht unsere Kultur aus. Wäre dem nicht so, könnten wir diese Feiertage abschaffen und es jedem überlassen, was er wann feiern will. Dann könnte auch der Sonntag auf den Dienstag verlegt werden. Andererseits wird niemand daran gehindert, die Feiertage zu begehen, die zu seiner Kultur gehören, es steht ihm frei, an Ramadan zu fasten oder während der Pessach-Tage nur ungesäuertes Brot zu essen. Oder am Ersten Mai ins Grüne zu fahren, statt an einer DGB-Demo teilzunehmen. Das ist der Sinn der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit."
In diesem Zusammenhang wäre auch ein Hinweis darauf angebracht, was das Kopftuch von einem, wie es das Bundesverfassungsgericht nennt, "Nonnen-Habit" unterscheidet. Von einem "Nonnen-Habit" geht kein Gefühl der Bedrohung aus, es ist auch kein Fall bekannt, dass eine junge christliche Frau mit Gewalt in ein Kloster verschleppt worden wäre, um dort Jesus angetraut zu werden. Man sieht auch keine zehnjährigen Mädchen im "Nonnen-Habit" auf den Straßen, aber immer mehr Zehnjährige mit Kopftuch, die gerne bestätigen, dass sie es "freiwillig" tragen.
Und so wie uns immer wieder gesagt wird, dass wir differenzieren sollten, weil es den "einen Islam" nicht gibt, gibt es auch nicht den einen Grund, das Kopftuch zu tragen. Mal ist es Ausdruck einer religiösen Haltung, mal ein modisches Accessoire, das farblich zum Rest der Kleidung passen sollte. Manche jungen Frauen tragen es, weil deren Eltern es sich wünschen, andere, um ihre Eltern zu ärgern. Oder weil sie sich "oben ohne" nackt fühlen.
Es angesichts einer solchen Beliebigkeit zu einem Symbol der Glaubensfreiheit zu erklären, das gesetzlich geschützt werden muss, zeigt nur, dass dieser Gesellschaft die Vernunft abhanden gekommen ist. Wie wäre es denn, wenn irgendeine Glaubensgemeinschaft High Heels und Plateau-Schuhe zum Zeichen ihres Strebens nach Höheren wählen und darauf bestehen würde, dass sie auch im Sportunterricht getragen werden?
Auch dieses Ideal, finde ich, muss gelebt werden dürfen.
Quelle: welt/Henryk M. Broder
Flüchtlinge - Wer nur Mitleid empfindet, der hat keinen Verstand
Deutschland gibt sich gern weltoffen, tolerant und reich. Ein Tischleindeckdich. Doch unser Urteilsvermögen scheint vor Mitleid für Flüchtlinge getrübt zu sein. Dabei müsste jetzt Vernunft herrschen. Von Henryk M. Broder
Es war abzusehen, dass die Bereitschaft, Flüchtlinge willkommen zu heißen, sich umgekehrt proportional zu der Zahl derjenigen entwickeln würde, die darauf hoffen, in Deutschland aufgenommen zu werden. Angesichts der jüngsten Prognosen des Innenministers, der mit 800.000 Antragstellern in diesem Jahr rechnet, klingen die Zusicherungen, wir wären "gefordert, aber nicht überfordert", zunehmend hohl.
Da ist ein Bürgermeister, der leer stehende Gebäude beschlagnahmen (Link: http://www.welt.de/145362505) will, um sie zu Flüchtlingsheimen umzubauen, auch gegen den Widerstand der Besitzer. Ein Ministerpräsident möchte die Flüchtlinge im verödeten Osten ansiedeln (Link: http://www.welt.de/145478184) , ein anderer schlägt vor, die Schutzsuchenden nach "Ethnien" zu separieren, um Konflikte in den "Aufnahmeeinrichtungen" zu vermeiden. Sunniten und Schiiten, Kurden und Jesiden, Afghanen und Iraker, Äthiopier und Eritreer. Eine Aufgabe, an der auch Experten, die immer wieder behaupten, den "einen Islam" gebe es nicht, scheitern müssten.
Dann sind da noch diejenigen, die Albanien, Montenegro und das Kosovo zu "sicheren" Herkunftsländern erklären wollen, wohl wissend, dass sie damit keinen Albaner, keinen Montenegriner und keinen Kosovaren von der Flucht abhalten würden. Es geht nur darum, die Abschiebeverfahren zu vereinfachen.
Die neue Fremdenfreundlichkeit
Den Bürokraten, die glauben, jedes Problem auf dem Verwaltungsweg lösen zu können, stehen die Gutwilligen gegenüber, die jedem Flüchtling erlauben würden, sofort nach seiner Ankunft in der Bundesrepublik eine Arbeit anzunehmen (Link: http://www.welt.de/145557389) . Integration durch Beschäftigung mag in der Theorie eine gute Idee sein, in der Praxis taugt sie so viel wie die Verteilung von "Bildungsgutscheinen" an die Angehörigen bildungsferner Schichten. Welche Arbeit sollen die Flüchtlinge, bitte schön, denn annehmen?
Als Tellerwäscher bei McDonald's, Fremdenführer in Neukölln, Türsteher in Duisburg-Marxloh? Unqualifizierte Arbeitslose haben es jetzt schon schwer, irgendeinen Job zu finden, der ihnen ein Existenzminimum garantiert, und der Arzt aus Syrien, der uns immer wieder in den "Tagesthemen" und dem "Heute Journal" als Vorbild präsentiert wird, müsste erst einmal eine Weile nachsitzen, bevor er in einem Krankenhaus Patienten behandeln darf. Kein Mensch wird sich, nur um seine Fremdenfreundlichkeit zu demonstrieren, den Blinddarm oder die Mandeln von einem Arzt rausnehmen lassen, mit dem er sich nicht in einer Sprache unterhalten kann, die beiden geläufig ist.
Was wir derzeit importieren, sind nicht nur "ethnische", also kulturelle und religiöse Konflikte, sondern, um mit Marx zu reden, auch eine "industrielle Reservearmee", für die es keine Beschäftigung gibt und keine geben wird, das Lumpenproletariat von morgen und übermorgen. Was unser Urteilsvermögen trübt, sind die Bilder, die wir täglich sehen: von der griechisch-mazedonischen Grenze.
Wer angesichts solcher Bilder kein Mitleid empfindet, der hat kein Herz, wer aber nur Mitleid empfindet, von dem er sich mit einer Spende befreit, der hat keinen Verstand.
Was Flüchtlinge kosten
Wir brauchen Einwanderung, so tönt es von allen Seiten, weil wir nicht genug Facharbeiter haben. Und weil die demografische Entwicklung nichts Gutes verheißt. Was aber verheißt eine demografische Entwicklung, deren Folgen wir heute schon in den "sozialen Brennpunkten" und No-go-Vierteln der Städte studieren können?
Leider hat das Argument, die Einwanderer würden uns "bereichern", inzwischen ausgedient. Bund, Länder und Gemeinden streiten darüber, wer und in welchem Umfang für die Kosten der Einwanderung aufkommen soll. Allein in diesem Jahr könnten es rund zehn Milliarden Euro werden. Peanuts, verglichen mit den Summen, die in Griechenland versenkt wurden. Man sollte nur wissen, dass die Betreuung eines minderjährigen Zuwanderers 60.000 Euro pro Jahr kostet, das ist mehr, als ein Facharbeiter im Jahr verdient.
Der Jugendliche bekommt nur ein Taschengeld, von dem er Zigaretten und Prepaid-Karten für sein Mobiltelefon kaufen kann. Der Rest verteilt sich auf den Ankauf von Wohncontainern, die Anmietung von Wohnungen und Häusern, den Unterhalt sozialer Netzwerke, die sich um die alleinstehenden Jugendlichen kümmern.
Ein deutsches Paradies?
Rund um die Bedürfnisse und Nöte der Migranten ist eine Industrie entstanden, die kaum in der Lage ist, die Nachfrage zu befriedigen. Die Hersteller von Zelten und Schlafsäcken kommen mit der Produktion nicht nach, pensionierte Beamte müssen reaktiviert (Link: http://www.welt.de/145265990) werden, private Wachdienste suchen neue Mitarbeiter, gemeinnützige Vereine übernehmen die Aufgaben der Sozialämter.
Wer eine heruntergekommene Bruchbude sein Eigen nennt, bietet sie der Stadtverwaltung als Notunterkunft an. Praktizierte Nächstenliebe hat ihren Preis.
Und weil all das nicht reicht, lassen die Medien immer öfter Migranten zu Wort kommen, die nicht dankbar, sondern enttäuscht sind. So habe er sich Deutschland nicht vorgestellt, klagte vor Kurzem ein Syrer bei der "Welt", der kein Wort Deutsch und nur sehr gebrochen Englisch sprach. Wie dann, ist man versucht zu fragen, wie dann? Ein Paradies, in dem Milch und Honig fließen, die Menschen ihr Geld im Schlaf verdienen und nur darauf warten, ihren Wohlstand mit Millionen von Flüchtlingen zu teilen?
Freundliche Helfer allerorten
Daran, dass ein solcher Eindruck überhaupt entstehen konnte, sind "wir" nicht unschuldig. Spätestens seit dem "Sommermärchen" von 2006 präsentiert sich Deutschland gerne als ein Land, in dem mehr gefeiert als gearbeitet wird. Gastfreundlich, tolerant, weltoffen und – reich. Ein Tischleindeckdich mit angeschlossenem Cateringservice.
Es ist noch nicht lange her, da hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen 17 Minuten langen Infofilm über "Das deutsche Asylverfahren" (Link: https://vimeo.com/130482976) produziert und auf seiner Homepage online gestellt. Der Protagonist ist ein junger Iraker, der in Deutschland Asyl beantragen möchte, weil er in seiner Heimat verfolgt wurde.
Wie und warum, bleibt ungesagt. Mit einem Koffer in der Hand steht er eines Tages vor einer "Aufnahmeeinrichtung" für Flüchtlinge, allein auf weiter Flur. "Endlich angekommen", sagt er, "ich bin gespannt, was mich hier erwartet." Eine Mitarbeiterin des Bundesamtes für Migration geht auf ihn zu und sagt: "Guten Morgen, wie kann ich Ihnen helfen?" Und so geht es weiter. Überall, wo der junge Mann hinkommt, wird er von freundlichen Helfern im Empfang genommen, die ihn individuell und liebevoll betreuen. Eine Geschichte, die Claus Kleber garantiert zu Tränen (Link: http://www.welt.de/145165015) rühren würde.
Der aufwendig hergestellte Film (Link: http://www.bamf.de/SharedDocs/Videos/DE/BAMF/we-have-arrived-unhcr-1000.html) wurde in neun Sprachen synchronisiert, unter anderem Albanisch, Arabisch, Serbisch und Paschtu, und mit Mitteln aus einem EU-Fonds gefördert.
Wer das Werk gesehen hat, der kann gar nicht anders, als sich sofort auf den Weg nach Deutschland zu machen. Wo ihn eine Mitarbeiterin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mit dem Satz begrüßen wird: "Es tut uns sehr leid, wir haben wegen Überfüllung geschlossen."
Quelle: welt/Henryk M. Broder
Wir lassen arbeiten, wir lassen gebären.
Deutschland brauche Migranten, um Wohlstand und Renten zu sichern. Das soll weltoffen klingen, ist aber nichts als Kosten-Nutzen-Denken – eine Art von Kolonialismus mit menschlichem Antlitz. Von Henryk M. Broder
"Die Flüchtlinge sind (Menschen) wie du und ich", sagt Margot Käßmann. "Flüchtlinge sind keine Last, sondern eine große Chance", vor allem für schrumpfende Städte, sagt Oliver Junk, Oberbürgermeister der Stadt Goslar. "Es ist so, dass wir die Entwicklung bewältigen können", die Haushalte würden durch die entstehenden Kosten nicht über Gebühr belastet, sagt Wolfgang Schäuble.
Wenn dem so ist, worüber reden wir dann? Gibt es ein Problem, oder bilden wir es uns nur ein? Für Frank-Walter Steinmeier ist alles nur eine Frage der Kommunikation. Die europäische Solidarität müsse "ausbuchstabiert" werden. "Dazu gehört auch, dass wir uns verständigen über eine faire Verteilung der Flüchtlinge in Europa."
Angela Merkel ist das nicht genug. "Unsere Pflicht ist es jetzt, sowohl in den entsprechenden Regionen dafür zu sorgen, dass dort Frieden auch wieder Realität wird, aber aus unserer eigenen historischen Erfahrung ist es auch wichtig, den Menschen, deren Leben bedroht ist, Schutz und Hilfe zu geben."
Warum nicht eine Luftbrücke nach Deutschland?
Wenn es tatsächlich "unsere Pflicht" wäre, dafür zu sorgen, dass in den "entsprechenden Regionen" der Frieden ausbricht, dann müsste die Bundeswehr ausrücken. Nicht um wie in Afghanistan "die Herzen der Menschen" zu erobern, sondern um mit Waffengewalt für ein Ende des Blutvergießens in Syrien zu sorgen.
Da sie aber dazu nicht in der Lage ist, und da der Bundestag so ein Mandat nie genehmigen würde, konzentrieren wir uns darauf, "den Menschen, deren Leben bedroht ist, Schutz und Hilfe zu geben" – wenn sie nicht bereits im Meer ertrunken oder in einem Lkw erstickt sind.
Würde die Kanzlerin es wirklich so meinen, wie sie es sagt, dann hätte sie ihre Verteidigungsministerin längst angewiesen, ein paar Zeltstädte an der griechisch-mazedonischen beziehungsweise mazedonisch-serbischen Grenze zu errichten, um die Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen: Essen, Medikamenten und einem temporären Dach über dem Kopf.
Noch effektiver wäre allerdings, wenn die Bundeswehr gleich eine Luftbrücke nach Deutschland einrichten würde, denn allem Gerede über eine "faire Verteilung der Flüchtlinge in Europa" zum Trotz wird Deutschland die Hauptlast der Katastrophe tragen müssen. Flüchtlingsströme lassen sich ebenso wenig umleiten wie Flüsse zur Zeit der Schneeschmelze.
Und was heißt hier "faire Verteilung"? Fair für wen? Mindestens 18 der 28 EU-Länder wollen keine Flüchtlinge (Link: http://www.welt.de/145852230) aufnehmen. Sie fühlen sich dazu weder rechtlich noch moralisch verpflichtet. Wie will Steinmeier sie dazu zwingen? Denkt er daran, die Kavallerie in Marsch zu setzen, mit der schon Steinbrück der Schweiz gedroht hat?
Die Flüchtlinge ihrerseits haben nicht alles aufgegeben und ihr Leben riskiert, um am Ende des Weges nach Bulgarien, Rumänien oder Kroatien abgeschoben zu werden. Sie wissen, warum sie Deutschland, Schweden, Österreich und Holland vorziehen. Und man kann es ihnen nicht übel nehmen.
Umgekehrt sollte man die Willkommenskultur in ethnisch homogenen Ländern nicht überschätzen. Die Polen zum Beispiel sind sehr gastfreundlich, aber eben nur gegenüber Gästen. Sie haben keine Multikulti-Erfahrung und pflegen ihre Traditionen auf eine altmodische Weise, ohne sie zu hinterfragen.
Debatten, wie sie in Deutschland geführt werden, über Integration, Kopftuch tragende Lehrerinnen oder Islamunterricht an Schulen wären in Polen ebenso undenkbar wie die Einführung der "Ehe für alle". Die baltischen Staaten ticken ähnlich. Hätte man ihnen vor dem Beitritt zur EU gesagt, dass sie ihre nationale und kulturelle Identität radikal ändern müssen, um in den Klub aufgenommen zu werden, wären sie lieber draußen vor der Tür geblieben.
Frischzellenkur für Gesellschaft und Wirtschaft
Deutschland dagegen sieht die Flüchtlingsfrage als eine Gelegenheit, sich moralisch und ökonomisch zu rehabilitieren. Eine Art Frischzellenkur für Gesellschaft und Wirtschaft. Da ist zum einen der unvermeidliche Rekurs auf "unsere eigene historische Erfahrung", der mit schrägen Vergleichen unterlegt wird – "wir haben doch auch Millionen von Vertriebenen aus dem Osten aufgenommen!"
Zum anderen herrscht eine Kosten-Nutzen-Haltung, die so berechnend ist wie die Politik der Unternehmen, die ihre Produktion in Billiglohnländer verlagern. Nur dass diesmal die Jobs nicht exportiert, sondern die Jobber importiert werden.
"Der Migrationswille der Menschen aus den Westbalkanstaaten könnte genutzt werden, um ihn in eine reguläre Einwanderung und Integration in den deutschen Arbeitsmarkt zu kanalisieren. Die Wirtschaft verlangt nach mehr Fachkräften, und zur Sicherung unseres Wohlstands sind wir auf – je nach Berechnung – zwischen 300.000 bis 500.000 Einwanderer pro Jahr angewiesen", sagt die grüne Fachfrau für Integration und Migration, Katrin Göring-Eckardt.
Was sie da "ausbuchstabiert", ist die Antithese zu der rechten Propaganda, die Ausländer würden uns die Arbeit wegnehmen. Wären wir nicht "zur Sicherung unseres Wohlstandes und unserer Renten" auf Einwanderer "angewiesen", wie es Ex-Kanzler Gerhard Schröder gerade schrieb (Link: http://www.welt.de/145776294) , würden wir keinen Gedanken darauf vergeuden, ob sie daheim bleiben oder zu uns kommen sollten. Ist das nicht eine Art von Kolonialismus mit menschlichem Antlitz?
Vizekanzler Sigmar Gabriel sieht in den Flüchtlingen ebenfalls "eine Chance für unser Land", denn "wir sind ein Land, das verliert in den nächsten Jahren ganz viele Arbeitskräfte dadurch, dass wir Gott sei Dank alle länger leben, aber leider weniger Kinder haben". Diese demografische Lücke sollen die Migranten füllen.
Als Fürstin Gloria von Thurn und Taxis vor mittlerweile 14 Jahren in einer Talkshow erklärte, "der Schwarze schnackselt halt gerne", brach ein Sturm der Entrüstung über sie herein, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Bei Gabriel blieb der Shitstorm aus. Denn seine Migranten schnackseln nicht aus Spaß an der Freud, sondern um "das Land jünger und attraktiver zu machen", also zur Sicherung unseres Wohlstands. Wir lassen arbeiten, wir lassen gebären.
Kleiderspenden allein sind keine Lösung
Schon möglich, dass die Rechnung irgendwann aufgeht. Dass Deutschland ein multikulturelles, multiethnisches Land wird, in dem Sprache, Herkunft und Hautfarbe keine Rolle spielen. Leider neigen bevölkerungspolitische Experimente eher zum Scheitern als zum Gelingen. Auch der neue Mensch, der keinen Neid und keine sozialen Unterschiede kennt und alles mit seinen Nächsten teilt, hat sich als wenig belastbar erwiesen.
Deswegen sollte man die aktuelle Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen nicht überschätzen. Willkommensfeste zu organisieren und Kleiderspenden zu verteilen ist eine Sache, auf die Dauer Verantwortung zu übernehmen eine andere.
Jetzt hat die Kanzlerin das Flüchtlingsdrama zur Chefsache erklärt. "Wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden", sagte sie bei ihrer Sommer-Pressekonferenz. Als es vor Kurzem darum ging, Griechenland zu retten, meinte sie: "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg." Ähnlich dezidiert äußerte sie sich über den Klimawandel, die Energiewende und die Zukunft der EU.
Alle Wege führen nach Berlin. Und sie enden im Bundeskanzleramt.
Quelle: welt/Henryk M. Broder
Verwalten und bevormunden - Vater Staat und die 800.000 Mündel
Deutschland führt ja bekanntlich gerade eine hitzige Debatte über Flüchtlinge. Unklar ist nur, wo genau die überhaupt stattfindet. Natürlich, es wird viel doziert, gesagt und gesprochen. Hier das Team „Alle raus!“, dort die „Alle rein!“-Fraktion. Dazwischen Til Schweiger, ein Busfahrer und ein paar Inhaber bekannter Positionen, die zwischen Taschengeld und europäischer Solidarität oszillieren. Das alles wäre zweifellos brillanter Stoff für ein Woody-Allen-Drehbuch, vielleicht noch ein Fall für Sigmund Freud. Aber das Label „Debatte“ mutet dann doch etwas euphemistisch an.
Derweil tauchen die immer gleichen Bilder am Horizont auf. Flüchtlinge, die sich in mazedonische Züge drängen. Weinende Kinder auf Kos. Dann wieder Flüchtlinge an der ungarischen Grenze. Dazwischen dunkle Deutsche in Heidenau und helle Deutsche, die Kuchen vorbeibringen. Wer daneben gerne wissen möchte, wie es nun angesichts von 800.000 Neuankömmlingen weitergeht, wo sie wohnen und arbeiten sollen, wird rasch auf den „Kampf gegen rechts“ und das Leid der Flüchtlinge verwiesen. Das eine ist zwar nicht falsch, das andere zweifellos tragisch, nur eben nicht die Antwort auf die Frage.
In einer besseren Welt gäbe es Wege, dieser Möchtegern-Debatte zu entgehen. In Deutschland existieren dafür jede Menge Neurosen. Dabei würde es schon reichen, nochmal zwei Monate zurück in glücklichere Zeiten zu spulen, als die einzige Person, über die man sich aufregen konnte, Martin Schulz hieß.
Indes gibt es nun ein „wir“, dem magische Kräfte nachgesagt werden. „Wir schaffen das!“ ist die Formel für Anfänger. Fortgeschrittene dagegen fragen lieber nach: „Wenn nicht wir, wer dann?“ Schade nur, dass nie geklärt wird, wer dieses „wir“ eigentlich ist.
Einigkeit herrscht hingegen insoweit, als Deutschland ein Einwanderungsland ist. Das ist so sicher wie Norbert Blüms Rente und die Alternativlosigkeit der Energiewende. Allein: Diese These klingt nicht wirklich überzeugend. Denn Einwanderungsländer erkennt man in erster Linie daran, dass sie Zuwanderer nicht kollektiv wie Mündel, sondern wie erwachsene Menschen behandeln und ihnen zugesteht, in Freiheit und mit Eigenverantwortung ein neues Leben zu beginnen.
Deutschland dagegen ist ein Land für Menschen, die ohne Murren einen beträchtlichen Anteil ihres Einkommens und ihrer Würde abgeben, um sich danach vorschreiben zu lassen, wie man den Müll trennt. Ein Land, in dem man zwar gerne die soziale Kälte beklagt, aber gleichzeitig ein Markt für eine App existiert, die es jedem ermöglicht, Falschparker mühelos beim Ordnungsamt zu verpetzen. Ein Ort, an dem der Staat in Begleitung der parlierenden Klasse alles daran setzt, „Gerechtigkeitslücken“ zuzubetonieren und sich ansonsten der Dampfwalze bedient, um vorhandene Ungleichheiten plattzumachen. Denn unter der Gleichheit, die einst neben Freiheit und Brüderlichkeit rangierte, versteht man hier nicht Gleichheit vor dem Gesetz, sondern harmonische Ergebnisgleichheit in allen Lebenslagen.
Deutschland ist ein Land, das keine Unterschiede erträgt. Es debattiert lieber über eine höhere Erbschaftssteuer, um so endlich etwas gegen die Ungerechtigkeit zu unternehmen, die sich durch die Co-Existenz reicher und armer Familie breitmache. Derweil begnügt sich NRW mit einer „Hausaufgabenbremse“, um wenigstens auf diese Weise den Abstand zwischen Kindern aus sozial schwachen und jenen aus bildungsnahen Elternhäusern zu verringern. Und wenn eine grüne Politikern die Forderung erhebt, auch weniger schlanke Damen bei Misswahlen ins Rennen zu schicken, weil diese sonst durch 90-60-90-Vorgaben ausgegrenzt werden, dann gilt das nicht etwa als Beleg von geistiger Umnachtung, sondern als legitime Antidiskriminierungsmaßnahme.
Wie soll man also sichere von unsicheren Herkunftsländern abgrenzen, wenn man schon mit dem real existierenden Unterschied zwischen arm und reich völlig überfordert ist? Und wann wird in Bezug auf das Asylrecht wenigstens sprachlich zwischen Kriegsflüchtlingen, die gerade noch dem Islamischen Staat entkommen sind, und Wirtschaftszuwanderern vom Balkan, die schlicht ein besseres Leben führen möchten, differenziert? Wenn es an allen Universitäten nur noch „Studierende“ gibt, oder erst sobald jede Chefetage zu 50% weiblich besetzt ist?
Stattdessen muss es die überraschende Erkenntnis tun, dass Flüchtlinge Menschen (und nicht etwa Pferde, Katzen oder Wühlmäuse) sind. Dass es tüchtige und faule, anpassungsbereite und integrationsunwillige, gut und schlecht ausgebildete Menschen gibt, hat sich dagegen noch nicht herumgesprochen. Der syrische Arzt, der gut gefüllte Portemonnaies zur Polizei trägt, ist demnach genauso ein Mensch wie der ein oder andere Islamist in Suhl, der einen zerfledderten Koran mit der Faust rächt und dafür mit Schützenhilfe von Bodo Ramelow belohnt wird. Auch das ist nur konsequent in einem Land, das immer dann zuverlässig gegen Islamophobie vorgeht, sobald irgendwo ein Jüngling unter Berufung auf Allah ein Blutbad nimmt.
Vor allem aber: Wie soll man Flüchtlinge in einen Arbeitsmarkt integrieren, auf dem ungefähr genauso viele Verordnungen, Richtlinien und Gesetze gelten wie es Arbeitnehmer gibt? Deutschland agiert zwar vorbildlich, wenn es darum geht, hochqualifizierte Frauen per Quote in die Führungsetage zu manövrieren. Der Unterschied zwischen „gleichen Rechten“ und „Grundrecht auf Chefsessel“ interessiert uns nicht.
Aber wie sieht es mit bildungsfernen Zuwanderern und deren Jobchancen aus, solange ein Mindestlohn existiert? In jedem Land der Welt gibt es einen Berufsstand, in dem traditionell viele Zuwanderer – zumindest die erste Generation – vertreten sind: den des Taxifahrers. In Deutschland dagegen gibt es nicht nur Andrea Nahles, deren schützende Hand solche Einwanderer vor diesem Schicksal bewahrt. Daneben existieren auch noch Gerichtsurteile, die die Mindestlohn-freie Alternative namens Uber gleich mit verbieten.
Natürlich wäre Taxifahren für wenig Geld nicht schön. Aber ein kleines Einkommen ist besser als gar keines. Zudem ist es würdevoller wie auch integrationsfördernder als Arbeitslosengeld. Als vor mehr als hundert Jahren Tausende von Iren und Italienern die erbärmlichsten Bauten New Yorks bezogen, besaßen sie nicht viel mehr als der Flüchtling aus Eritrea von heute. Es gab auch keine Integrationsexperten und kein Taschengeld, dafür nur Freiheit, miese Jobs und die wage Aussicht auf ein besseres Leben. Das reichte, um sich durchzuwurschteln und motivierte vor allem die Kinder der Einwanderer, es mal besser zu machen. Angenehm war das sicher nicht, aber es war möglich. Einwanderung und Flucht aus Armut sind nur selten erbaulich und fast immer eine Herausforderung, die sich nicht gleich morgen auszahlt.
Das Einwanderungsland Deutschland hingegen wird voraussichtlich das tun, was es am besten kann: verwalten und bevormunden. Flüchtlinge fungieren primär als schutzbedürftige Mündel, weil das die Rolle ist, die sich am leichtesten handhaben lässt. Wenn sie keinen Job finden, sollen sie halt vom Staat leben. Und wenn sie besonders viel Pech haben, werden sie von Angela Merkel gestreichelt.
Individualismus dagegen nervt. Keiner mag ihn, wir können auch nicht mit ihm umgehen – weder mental, noch praktisch. Und wer schon die autochthone Bevölkerung für intellektuell unauffällige Wesen hält, die erst dann das Zündeln sein lassen, wenn Udo Lindenberg es ihnen im Rahmen eines „Aufstands der Anständigen Deluxe“ vorsingt, wird mit neuen Gästen nicht anders verfahren.
Wo 1600 Zöllner zwecks Kontrolle des Mindestlohns eingestellt werden, dürften mittelfristig auch anderweitig Arbeitsplätze entstehen. Gebraucht werden Kindergärtner, Lehrer, Polizisten, Beamte im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Richter für Asylverfahren sowie JVA-Beamte, Staatsanwälte und Richter ob inhaftierter Schleuser. Zu den Psychologen gesellen sich dann Streetworker und Integrationsexperten. Nicht wenige davon haben ein Interesse daran, ihren Kundenstamm nachhaltig zu erweitern, zumindest aber zu erhalten. Und natürlich bedarf es zusätzlicher Mitarbeiter in den Arbeitsagenturen. Die werden sich darüber wundern, dass die meisten Arbeitgeber außerhalb des Fachkräftemangel-Universums lieber einen Bewerber mit perfekten statt ausbaufähigen Deutschkenntnissen einstellen werden, wenn sie schon 8,50€ die Stunde zahlen müssen. Spätestens dann dürften all die neu eingestellten Sozialarbeiter zum Einsatz kommen, die den völlig desillusionierten und zu recht deprimierten Einwanderern in ihren Sozialwohnungen höflich mitteilen, dass der Handel mit Rauschgift hierzulande strafbar ist.
Zumindest kurzfristig dürfte all das noch günstiger als die Rettung Griechenlands sein. Mittelfristig wird Wolfgang Schäuble die schwarze Null wohl neu interpretieren müssen. Insoweit ist es nicht einmal völlig falsch, wenn Sigmar Gabriel, Andrea Nahles und Thomas de Maizière nun „Wir schaffen das!“ rufen. Die Frage ist nur, ob die Flüchtlinge das in naher Zukunft genau so sehen werden.
Quelle;http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/vater_staat_und_die_800.000_muendel
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch! Die neuen Verfolger Unschuldiger
Die Proteste junger Deutscher in London zeugen von Unbefangenheit gegenüber der eigenen Geschichte. Malte Lehming über eine Diskussionsrunde mit Thilo Sarrazin.
Zu den ulkigsten Phänomenen der neueren deutschen Geschichte zählt die ungebrochene Attraktivität der Widerstandsattitüde. Eine sich angeblich in der Minderheit befindliche Linke, die gern „Gesicht zeigt“, wehrt sich mit Händen und Füßen, Trillerpfeifen und Pflasterstränden, der Verhängung von Berufsverboten und Anrufung von Gerichten gegen das Urböse schlechthin, zumeist Faschismus genannt. Die Folgen sind weniger ulkig: Unliebsame Staatsanwälte werden strafversetzt, Bundesbanker aus dem Amt gejagt, über Gregor Gysis DDR-Vergangenheit berichten nur noch Tollkühne, die sich einen kompetenten Rechtsbeistand leisten können.
Was die neudeutschen Gesinnungspolizisten beflügelt, ist freilich nicht Mut, sondern Gratismut. Sie wissen, dass es eine stabile gesellschaftliche und parlamentarische Mehrheit für Rot-Rot-Grün gibt, die sich in den meisten Medienhäusern niederschlägt. Sie wissen, dass der Begriff „Reformkommunist“ vielerorts als Ehrentitel gilt, während der „Reformfaschist“ nicht besser angesehen sein dürfte als Adolf Hitler selbst. Sie wissen, dass unter dem Deckmantel der „Zivilcourage“ fast jede Form der Gängelung, Rigidität und des Protests möglich ist, weil niemand merkt, dass diejenigen, die sich als verfolgte Unschuld präsentieren, längst zu Verfolgern Unschuldiger geworden sind.
Eine Diskussionsrunde mit Thilo Sarrazin an der London School of Economics (LSE) musste am Montag „aus Sicherheitsgründen“ abgesagt werden, weil überwiegend deutsche Studenten dagegen interveniert hatten. Während noch wenige Tage zuvor am Tahrir-Platz in Kairo junge Menschen ihr Leben riskiert hatten, weil sie sich bevormundet fühlten von selbst ernannten Wächtern über das, was in ihrem Land öffentlich geäußert werden darf, riskierten junge Deutsche in London eine dicke Lippe, weil sie finden, dass im Namen des „gesellschaftlichen Friedens“ die Meinungsfreiheit streng kontrolliert werden müsse.
„Gott schütze uns vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind“: Die alte Touristenweisheit wird durch deutsche Auslands-Studenten wiederbelebt, die sich für ihre Missetaten nicht einmal schämen. Fremdschämen indes müsste man sich für sie. „Hinter dem Phänomen ,fremdschämen’ steht ein Einfühlungsprozess, in dem eine Person A sich an Stelle einer anderen Person B schämt“, schreibt die Kommunikationswissenschaftlerin Nadia Zaboura („Das emphatische Gehirn: Spiegelneuronen als Grundlage menschlicher Kommunikation“). „Person B ist sich der schämenswerten Situation nicht bewusst, Person A aber durchaus. Aus dieser peinlichen Berührtheit für die Situation, in der Person B sich unwissend befindet, schämt sich Person A also stellvertretend für diese.“
Sie wissen nicht, was sie tun. Doch das entschuldigt sie nicht restlos. Im Ausland repräsentieren sie ein Land, in dem schon zweimal – von Nazis wie von Kommunisten – die Meinungsfreiheit mit Stiefeln getreten wurde. Und dieser Tradition stehen sie ebenso unbefangen gegenüber wie ihre Großeltern, die Liegestühle am Swimmingpool mit Handtüchern besetzen. Diese imperiale Geste zeugt wie die jugendliche Widerstandsattitüde vom selben teutonisch rechthaberischen Geist. „Deutschland schafft sich ab“, behauptet Sarrazin. Manchmal hofft man, dass das stimmt.
Quelle: Von Malte Lehming/Tagesspiegel
Ein wunderbarer Neger - Ein bisschen Spaß muss sein
Roberto Blanco ist gern wunderbar
n-tv.de: Nehmen Sie Herrn Herrmann seine Äußerung übel oder stehen Sie da drüber?
Roberto Blanco: Nein, ganz entschieden nein. Ich nehme ihm das nicht übel. Sie müssen sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Er hat gesagt, ich wäre ein (und jetzt betont Blanco vor allem das Adjektiv) ganz w-u-n-d-e-r-b-a-r-e-r Neger. Wissen Sie, das Wort Neger existiert schon sehr lange, und heute ist es natürlich angebrachter, von einem Farbigen zu sprechen, das ist sicher richtig. Klingt besser. Aber es kommt immer noch drauf an, wie man das Wort "Neger" benutzt. Der Ton macht die Musik …
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| Gehen demnächst auch wieder ein Bier miteinander trinken: Die Herren Blanco und Herrmann |
Wer wüsste das besser als Sie?
Ja, und der Herrmann hat das nicht böse gemeint. Das muss man auch im Zusammenhang dieser Sendung sehen, da ging es um Einwanderer, die es geschafft haben, sich zu integrieren, und der Innenminister hat das gut gemeint, als er mein Beispiel erwähnt hat. Sie sind doch auch eine wunderbare weiße Frau, oder, hören Sie das nicht gerne?
Schon, aber darum geht es ja nicht. Es geht um die doch eher beleidigende Formulierung, die einfach nicht zeitgemäß ist. Und darum, das vor laufender Kamera zu sagen.
Ja, gut, er hätte sagen können, "ein wunderbarer Farbiger", dann gäbe es jetzt nicht so viel Wirbel (lacht).
Sie verbuchen das also unter "kann passieren, das rutscht einem mal raus"?
Ja, aber natürlich, da muss man doch nicht so böse sein! Und ich steh' sowieso über solchen Dingen.
Wie gingen Sie denn aber damit um, wenn jemand anderes als Herr Herrmann so etwas sagen würde - jemand, der nicht bekannt ist?
Was denken Sie denn eigentlich? Mich nennt sonst keiner so. Glauben Sie, dass täglich jemand "Ey, du Neger" zu mir sagt, sobald ich das Haus verlasse? Sie sprechen hier mit einem Herrn, der schon 60 Jahre im Show-Business ist ….
… das aber schützt einen ja nicht unbedingt vor der Dummheit anderer …
… nein, aber mich spricht niemand sonst so an! Ich bekomme Respekt!
Als Sie in den 50er Jahren nach Deutschland gekommen sind, sind Ihnen auch keine Fremdenfeindlichkeit oder despektierliche Äußerungen begegnet?
Im Gegenteil! Da haben die Leute sich noch für Hitler entschuldigt. Als ich damals meine erste Fernsehsendung bekommen und mit (Peter) Frankenfeld oder (Hans-Joachim) Kulenkampff zusammengearbeitet habe, da hat mir meine Farbe sehr geholfen! Ich hatte Publicity, von der andere nur geträumt haben. Ich war oft der einzige, der am nächsten Tag wiedererkannt wurde. Sogar Vico Torriani hat gesagt: "Ich glaub', ich hab' die falsche Farbe, Roberto" (lacht).
Also bloß nicht aufregen und immer schön locker bleiben?
(lacht) Also bitte, ich rege mich doch überhaupt nicht auf. Ihr regt euch auf. Ihr, die Medien, Ihr macht daraus so ein Theater.
Ich kann auch schreiben: Herr Blanco ist total entspannt und versteht die ganze Aufregung nicht.
Ich bitte darum!
Im Kontext der momentan um sich greifenden Fremdenfeindlichkeit ist das aber doch vielleicht nicht ganz so spaßig zu betrachten, finden Sie nicht?
Da geht es um Flüchtlinge, das ist doch ein ganz anderes Thema. Die sind auch nicht farbig, sondern werden aus ihrem Land vertrieben durch Krieg. Richtig?
Richtig. Farbige sind aber sicher auch dabei. Sie wollen nur nicht, dass das alles in einen Topf geworfen wird, verstehe ich das richtig?
Ja. Nach dem Kriegsende vor 70 Jahren hat man den Deutschen ja auch geholfen. Richtig?
Schon ...
Wir sind Menschen - und Menschen müssen Menschen helfen.
Keine Einwände. Kommen wir auf Herrn Herrmann zurück. Hat er sich bei Ihnen entschuldigt?
Also, wir haben im Radio miteinander gesprochen, und wenn es nicht ein wirklich guter Imitator war, dann war er es tatsächlich und er hat sich bei mir entschuldigt. Wenn wir uns das nächste Mal treffen, dann geb' ich ihm die Hand und die Sache ist für mich erledigt.
Und dann gehen Sie ein Bier trinken?
Pffh, ein Bier oder Whisky oder was auch immer.
Wenn Sie also sonst wegen Ihrer Hautfarbe nie doof angemacht wurden, was ist mit Ihren Töchtern?
Nein, ich bin hier in einem zivilisierten Deutschland. Hier sind nicht alle Nazis, noch nie, das habe ich noch nie gedacht oder so empfunden. Ich habe nie Probleme gehabt, im Gegenteil. Meine Kinder auch nicht. Ich bin seit 60 Jahren im Show-Business und meine Fans stehen an meiner Seite.
Sie haben ja nicht nur Fans ...
Ja, aber dass immer noch ein paar Leute Nazis sind, das liegt nicht nur an Deutschland, die gibt es auch in Frankreich und in England und überall auf der Welt. Oder?
Ja, aber diese Tatsache ist überall gleich schrecklich.
Aber gucken Sie doch mal, wie viele Leute jetzt auch hilfsbereit sind und den Flüchtlingen helfen. Darüber müsst ihr schreiben!
Das tun wir, keine Sorge. Aber würden Sie sich nicht auch darüber wundern, wenn man über die Aussage von Herrn Herrmann jetzt ganz nonchalant hinweggegangen wäre und niemand sich aufregen würde?
Also, ich weiß nicht, was erwarten Sie denn von mir? Ich wäre natürlich froh, wenn es keinen Rassismus mehr geben würde. Aber ein so kleiner Ausrutscher, meine Güte.
Das Motto "Ein bisschen Spaß muss sein" zieht sich also weiterhin durch Ihr Leben?
Na Moment, das muss man natürlich schon seriös behandeln. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Es ist nicht so schlimm, wie manche Leute das haben wollen. Also, wir machen daraus jetzt kein Theater, einverstanden?
Einverstanden!
Mit Roberto Blanco sprach Sabine Oelmann
Skandal, Skandal aus dem rassistischen Deutschland! Oder: Deutschland schafft sich ab.
Bayerns Innenminister war zu Gast in der ARD-Sendung "Hart aber Fair". SPD-Landtagsfraktionschef Rinderspacher spricht von einer "ungeheuerlichen Entgleisung". Linke fordern gar Herrmanns Rücktritt
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat in der ARD-Sendung "Hart aber Fair" den Sänger Roberto Blanco als "wunderbaren Neger" bezeichnet. In der Talkshow von Frank Plasberg diskutierten die Gäste am Montagabend über das Thema Flüchtlinge. Als "Focus"-Chefredakteur Ulrich Reitz Erfolgsgeschichten von Einwanderern einbrachte, sagte Herrmann: "Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat." Beim FC Bayern spielten auch eine ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit, und das fänden die Fans von FC Bayern auch gut, fügte er hinzu.
Rinderspacher: Rassistische Provokation!
Die Verwendung der Bezeichnung "Neger" stieß bei SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher auf große Kritik, er sprach von einer "ungeheuerlichen Entgleisung" des CSU-Politikers. "Herr Herrmann muss sich als Innenminister bewusst sein, dass die Bezeichnung ,Neger‘ eine rassistische Provokation und Zeichen eines engstirnigen, fremdenfeindlichen Menschenbildes ist. Dafür sind schon Leute verurteilt worden", polterte Rindespacher. "Wenn ein Innenminister den inneren Zusammenhalt unseres Landes durch rassistische Ausfälle beschädigt, trägt er zu einem enthemmten fremdenfeindlichen gesellschaftlichen Klima bei." Das sei verantwortungslos und seines Amtes nicht würdig.
Im ZDF-Morgenmagazin versuchte sich Minister Herrmann heute an einer Erklärung und betonte, er habe das Wort "Neger" nur als Reaktion auf einen Einspieler benutzt. "Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht", sagte er. "Ich habe das nur als unmittelbare Reaktion auf diese abwertende Äußerung gemacht. Wir haben auch wunderbare Mitbürger mit schwarzer Hautfarbe in Bayern." Ähnlich äußerte er sich auch bei N24.
An der scharfen Kritik an seiner Wortwahl änderte das nichts. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Jan Korte, forderte den Rücktritt des Ministers. "Der bayerische Innenminister muss die Konsequenzen ziehen und zurücktreten. Wer rassistische Sprachmuster bedient, ist eines politischen Amtes nicht würdig", sagte er. Jeder Ausländerfeind, der eine Flüchtlingsunterkunft angreife, werde von Herrmann bestärkt. "Bei diesem CSU-Mann treffen politische Einfalt und eine manifeste Abwehrhaltung gegen Flüchtlinge in einem besonderen Maße zusammen. Er ist in seinem Amt endgültig untragbar geworden." Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner warf Herrmann laut "Bild"-Zeitung die "Sensibilität einer Planierraupe" vor.
Frage auf Twitter: "Läuft das CSU-Verbotsverfahren schon?"
Im Internet brach ein wahrer Shitstorm über Herrmann herein. Einer twitterte unter dem Hashtag #Herrmann sogar: "Läuft das CSU Verbotsverfahren schon?" Ein User namens Patrick Daniel schrieb dort: "Das ist genau die Art von Rassismus, die einen am meisten sprachlos macht!" und fügt noch den Hashtag #widerlich hinzu. Der Berliner Politiker Christopher Lauer twitterte: "Merkel so: Rassismus bekämpfen - Herrmann so: Neger."
Der Angesprochene selbst, Schlager-Sänger Blanco (78), hatte derweil kein Problem mit Herrmanns Wortwahl. Er fühle sich nicht beleidigt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das böse gemeint hat", sagte Blanco "Focus online". "Schlauer wäre hingegen gewesen, wenn er nicht das Wort Neger genutzt hätte, sondern Farbiger." (BSZ/dpa)
Herrmann's Erläuterung dazu:
"Ich verwende das Wort 'Neger' sonst überhaupt nicht", sagte er auf die Frage des Moderators, ob das ein Ausrutscher gewesen sei. Vielmehr sei es eine Erwiderung auf einen vorherigen Einspieler gewesen, in dem ein offensichtlich bayerischer Bürger gesagt habe "Neger will ich hier überhaupt nicht haben." Diese Aussage halte er für "völlig inakzeptabel", sagte Hermann. Das Wort "Neger" zu benutzten, sei eine "unmittelbare Reaktion auf die abwertende Äußerung" gewesen.
Friday, September 4, 2015
Die Kirche im Dorf - oder: keine Atempause Rassismus gemacht.
"Viel Lärm um nichts" ist nicht nur eine Shakespeare-Komödie von 1600 um Liebeswirren, sondern auch eine zeitgenössische Debatte um ein Politikum, was keines ist. Bei political correctness geht es wie bei Fairness um Sauberkeit, und das macht Sinn. Doch wie immer und überall kann man aus einer Mücke einen Elefanten machen, und es entsteht Unsinn.
Eigentlich wollte ich nicht meinen Senf dazugeben zu einer Pseudo-Aufgeregtheit über eine poplige Soße. Da ich aber von Hinz und Kunz zu genau diesem Vorgang befragt werde, obwohl es tatsächlich wichtigere Dinge und Vorkommnisse im öffentlichen und in meinem persönlichen Leben gibt, tue ich es nun doch.
Wahr ist, dass es einen Zusammenhang zwischen rassistischer Gewalt und rassistischem Sprechen gibt. Wahr ist aber auch, dass anderes Sprechen die Realität nicht ändert. Eine Umbenennung der "Zigeunersoße" ändert in keiner Weise etwas an den diskriminierenden Lebensumständen dieser Menschen oder an dem Hass, der ihnen mancherorts entgegenschlägt. Und Liebhabern dieser Soße rassistisches Gedankengut zu unterstellen, ist reichlich übertrieben. Roma und andere ethnische Minderheiten als gleichberechtigte Bürger zu integrieren wäre viel wichtiger als die derzeitige Soßen-Debatte.
Der Name "Zigeunersoße" kann meiner Meinung nach genau so wie "Zigeunermusik" ertragen werden. Denn das eine hat so wenig mit den Roma oder den Sinti oder ähnlichen Volksgruppen zu tun wie das andere. Allerdings gehen Musikproduzenten schon vorsichtiger zu Werke und greifen flugs zur englischen Bezeichnung "gypsy music", obwohl es das gleiche ist. Nur zu einem Bruchteil sind zum Beispiel Roma an dieser Musikrichtung beteiligt, viele Musiker und Komponisten kommen aus anderen gesellschaftlichen Gruppen und so ist "Zigeunermusik" eher ein Sammelsurium vieler musikalischer, stilähnlicher Strömungen. Übrigens wird "Lustig ist das Zigeunerleben", entstanden im 19. Jahrhundert, immer noch als Volkslied bezeichnet, in diversen Verzeichnissen geführt und ist auch nicht umbenannt worden. Dabei sollte uns der Inhalt zu denken geben, denn lustig war das Zigeunerleben noch nie. Und das ist bis heute leider so geblieben. Zigeunerromantik findet nicht in den armseligen Behausungen oder bei der vergeblichen Arbeitssuche statt, sondern nur auf der Bühne beim "Zigeunerbaron".

Umbenennungen sind an der Tagesordnung, damit man in (fast) jedem Lebensbereich pc bleibt. Mohr oder Neger wird wegen seiner kolonialen beziehungsweise rassistischen Verwendung nicht mehr gebraucht und so heißen die süßen Schaumdinger heute Schaumkuss oder Schokokuss; in Österreich aus mir unerfindlichen Gründen übrigens "Schwedenbombe". Und kein Schwede regt sich auf.
Muss man Lindgren verschlimmbessern?
So richtig konsequent sind wir in unserem Streben nach political correctness aber nicht. In historischen Zusammenhängen bleibt’s mitunter nicht nur bei Zigeunern wie beim Baron, in "Carmen", beim "Glöckner von Notre Dame" und Puschkins Ballade "Zigeuner", sondern auch der "Mohr" existiert weiter wie im "Mohr von Venedig" oder in der Oper "Aida" beim "Tanz der kleinen Mohrensklaven". Oder würde Sie lieber sagen "Tanz der kleinen Menschen mit dunkler Hautfarbe"? Der Sarotti-Mohr musste jedoch daran glauben, er wurde aufgehellt und nennt sich jetzt Magier. Auch Pipi Langstrumpf wurde "modernisiert", zumindest in Neuauflagen wurden "Neger" und "Zigeuner" aus dem Werk von Astrid Lindgren gestrichen. Meinen die Verantwortlichen, Kinder seien zu blöd, entsprechende Erklärungen von Eltern und Lehrern zu verstehen?
Unausrottbar ist das geflügelte Wort von dem Mohren, der seine Schuldigkeit getan hat, dem aber nicht gedankt wird - so jedenfalls wird es allgemein gebraucht. Kein Mensch denkt da an einen Menschen schwarzer Hautfarbe, wenn er enttäuscht in sich hineinmurmelt: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen", weil er den Abwasch gemacht hat und dennoch nicht von der Hausfrau geküsst wird. Die Anwender jenes Zitats stört es auch in keiner Weise, dass es falsch gebraucht wird, denn bei Schiller heißt es: "Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen". Was aber beim Abwasch aufs Gleiche hinausläuft.
Auch andernorts treibt die Umbenennungssucht Blüten. So las ich dieser Tage, dass in einer französischen Zeitschriftenredaktion das Märchen von Schneewittchen wegen der sieben Zwerge zu Bauchschmerzen führte. Das Ergebnis der verbalen Blähungen lautete "Schneewittchen und die sieben Personen kleiner Größe". (Kleinwüchsige ging wohl auch nicht, da wäre Protest vorprogrammiert gewesen.) Dann sollte man konsequenterweise auch Schneewittchen ins Aus schicken, damit Pubertätsgestörte in der Schule keine blöden Reime mehr vor sich her grölen. Mein Vorschlag: "Blasse Tussi und die sieben Personen kleiner Größe". "Zwerg Nase" käme kürzer weg: "Winzling Zinken".
Bestimmte Wörter sind out. Neger sagt man nicht, Zigeuner sagt man nicht, Zwerg nicht und Krüppel auch nicht. Das ist beleidigend. Aber Krücke sagt man ebenfalls nicht, wie ich erfahren musste. Als ich wegen einer Fußverletzung im Sanitätshaus eine "Krücke" haben wollte, bedeutete mir die Verkäuferin mit spitzer Stimme und hochgezogenen Augenbrauen, dass der Stock (?) Gehhilfe heiße. Mir war es wurscht. Übrigens lache ich auch über Blondinenwitze, obwohl ich auch mal blond war. Zumindest als Kind.
Zurück zur Soße oder Sauce. Die als beleidigend verstandene Charakterisierung ist in anderen Zusammenhängen in vielen Gaststätten bereits der erwähnten politischen Korrektheit gewichen, aus Zigeunerschnitzel und -spießen wurden meistens Balkanspeisen. Kinderschnitzel und Seniorenteller sind geblieben, ebenso wie Bauernfrühstück und Tatarensoße. Aber Bauer ist kein Schimpfwort und Tataren fallen nicht gleich bei uns ein, weil sie sich angegriffen fühlen. So richtig fein sind einige Namen für durchaus beliebte Speisen wirklich nicht, aber niemand regt sich auf: Tote Oma, Nonnenfürzchen oder Fummeln. In Amerikaner wird weiter herzhaft hineingebissen, ebenso in Kameruner oder Berliner oder Wiener. Schwabenleder ist dagegen nicht zum Kauen geeignet, dafür gibt’s aber Penis-Pasta.
Ich höre jetzt auf mit den blödsinnigen Beispielen, sonst blasen Sie mir noch den Marsch, womöglich den Türkischen. Besinnen wir uns auf die sehr vernünftige Auffassung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, der aus aktuellem Anlass zwar einen kritischen Umgang mit der Sprache befürwortet, vor einer dogmatischen Sprachregelung aber warnt. Deshalb heute für Sie meine ganz persönliche scharfe Soße zu allem Gegrillten. Wie Sie sie nennen, bleibt Ihnen überlassen.
Quelle: n-tv.de
Nazi im ZDF-Morgenmagazin - Moderator Jochen Beyer - ein NAZI? Unfassbare Diskriminierung
ZDF blamiert sich mit Entschuldigung für Moderatoren-Hemd
Moderator Jochen Breyer trug im ZDF-„Morgenmagazin“ ein olivgrünes Hemd - das am Schirm eher braun aussah. Politisch passend zu einem Hooligan-Beitrag. Schnell entschuldigte sich der öffentlich-rechtliche Sender - und zog Spott auf sich.
Wie politisch Mode sein kann, zeigte sich jüngst beim „Morgenmagazin“ des ZDF. Wie überschnell mittlerweile in Deutschland reagiert wird, zeigte der Mainzer Sender selbst mit einer übertriebenen Entschuldigung.
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ZDF/ Sreenshot "Morgenmagazin"-Moderator Jochen Breyer (r.) mit einem braunwirkendem Hemd
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Moderator Jochen Beyer diskutierte über das Topthema des Tages, die Hooligan- und Skinhead-Proteste gegen die Salafisten, und trug dazu ein olivgrünes Hemd. Blöd nur, dass sich das Hemd dem Zuschauer als braun darstellte. Schnell sah sich das ZDF gezwungen zu reagieren. Nicht, dass der „Morgenmagazin“-Gucker hier eine unbeabsichtigte Parallele zog.
„Wir entschuldigen uns für den entstandenen Eindruck“
So postete das Social-Media-Team des öffentlich-rechtlichen Senders eine ausführliche Entschuldigung zu dem Fauxpas auf Facebook: „Aufgrund einiger Zuschauer-Hinweise zur Kleidungswahl unseres Moderators Jochen Breyer möchten wir kurz aufklären, dass sein olivgrünes Hemd auf dem Bildschirm tatsächlich braun wirkte, dies aber von Jochen Breyer natürlich keinesfalls beabsichtigt war. Wir entschuldigen uns für den entstandenen Eindruck.“
Nun ergoss sich direkt danach die übliche Internet-Häme über die sensiblen Mainzer, die doch nur alles richtig machen wollten. User Wolfgang A. Gogolin schrieb zum Beispiel: „Die Entschuldigung genügt nicht. Das Hemd ist die größte Beleidigung seit der Nazizeit. Der Moderator ist freizustellen, der Hemdenhersteller ist zu schließen und die Fernsehgebühren sind an Israel zu überweisen. Ich bin empört.“
Kommentator G Prunus Spinosa zeigte, dass die Debatte lächerlich findet: „Würde ja gerne ein paar Zeilen dazu schreiben - muss aber dringend in den Wald das braune Laub weg räumen bevor es jemand sieht....- Man sollte die braune Farbe gänzlich verbieten in Deutschland! Milchkaffee- Rost- Erde- Rehe- das sowie das Wort "Braun" sollten Verboten werden! Eichhörnchen übrigens auch!!“
„Für einen kurzen Moment ein hitlerbartähnlicher Schatten über die Oberlippe huschte“
Auch Facebook-Nutzer Lu Fitti Ziffer machte sich mit überzogener Satire lustig: „Liebes ZDF-'Morgenmagazin', den Hinweisen einiger Zuschauer zufolge entstand der Eindruck, dass dem Moderator in der 88. Minute der heute morgen ausgestrahlten Sendung für einen kurzen Moment ein hitlerbartähnlicher Schatten über die Oberlippe huschte, eventuell erzeugt durch ein Studiomikrofon. Die unglückliche Kombination dieser beiden Fakten beunruhigt nicht nur mich und hat sicherlich bei vielen weiteren Zuschauern für Verwirrung gesorgt. Ich bitte daher um ein kurzes Statement.“
Kommentator Daniel Funke nahm gleich einen beliebten ZDF-Werbeslogan zum Anlass, etwas klarzustellen: „Liebes ZDF. Euer Spruch 'Mit dem Zweiten sieht man besser' diskriminiert alle Einäugigen und Innen. Der Zentralrat der Zyklopen verurteilt dies auf´s Schärfste! Um Entschuldigung wird gebeten!“
Andere ZDF-Zuschauer brachten sogar einen Filmhelden ins Spiel: „Darf 'Indiana Jones' noch gesendet werden? Er trägt öfter im Urwald (darf man das noch sagen?) braune Hemden! Sogar braune Lederjacken!“
ZDF auf Twitter lockerer als bei Facebook
Es gab aber auch Meinungen, die sich mit dem Thema „Mode und Politik“ ernster auseinandersetzten. Facebook-Nutzer Mario Finkbeiner meinte: „Meine Fresse, jetzt muss man sich in Deutschland schon für seine Kleidung entschuldigen... UNFASSBAR!“
Sunday, August 30, 2015
Bezirk Reinickendorf will keine Sex-Werbung
Nach Friedrichshain-Kreuzberg geht auch der Bezirk Reinickendorf gegen sexistische Werbung vor. Auslöser war ein umstrittenes Saison-Motiv der Füchse Berlin im vergangenen Jahr: Es zeigte Bikini-Mädchen auf einem Geländer, davor ein Fuchs mit heraushängender Zunge. Der Handball-Bundesligist hat das Motiv inzwischen geändert.Das Bezirksamt schrieb jetzt einen Brief an Vereine und Unternehmen, auf solche frauenfeindlichen Darstellungen in Zukunft zu verzichten. Es schade dem Image des Bezirks.
Ein Füchse-Sprecher wollte das nicht weiter kommentieren: „Zu dem Thema ist alles gesagt.“
Quelle: http://www.bz-berlin.de/
Siehe auch: Verbot von sexistischer Werbung - Wie bei den Taliban!
Monday, August 24, 2015
SOPHIA THOMALLA - Proteststurm gegen ARD-Zensur
Unseriös und frauenfeindlich – so bezeichneten Frauenräte den Auftritt von Schauspielstar Sophia Thomalla (25) in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ zum Thema Gleichberechtigung.
Die Sendung mit Moderator Frank Plasberg (58) vom 2. März 2015 wurde vergangene Woche aus der ARD-Mediathek entfernt.
Jetzt bezieht Thomalla auf Facebook Stellung zu der Zensur. Sie postete einen Artikel, den sie für „stern.de“ geschrieben hatte: „Befremdlich und insbesondere alarmierend finde ich, dass sich eine gewisse Klientel – ach, nennen wir das Kind doch beim Namen: Frauenverbände, die leider immer noch stark durchsetzt sind mit feministischen Extremistinnen – eine Lobby aufgebaut hat, die es doch ernsthaft geschafft hat, den Rundfunkrat zu so einer Entscheidung zu bewegen.“
Thomalla fragt: „Ich habe meine Meinung geäußert – doch eine andere Institution verbietet einfach, diese weiter stehen zu lassen? Wer hat da vor was Angst? Und aus dieser Angst heraus dürfen die einfach so mit Inhalten verfahren?“
In BILD äußerte sich Thomalla am Freitag:
► „Ich als Frau soll frauenfeindlich sein? Immer wieder erstaunlich, was Frauen sich so einfallen lassen, um Frauen vor so Frauen wie mir zu beschützen. Verbote von Meinungen kenne ich eigentlich aus dem Geschichtsbuch.“
Politiker sprechen von Zensur
Aus der Politik hagelt es Kritik an der Entscheidung:
► „Wenn künftig all das entfernt wird, was irgendeinem nicht gefällt, dann haben wir bald leere Mediatheken. Ziemlich uncooles Vorgehen des WDR. Entspannt euch mal!“, sagte der innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Burkhard Lischka, gegenüber BILD.
► Der CDU-Fraktionschef im Thüringer Landtag, Mike Mohring, sagte: „Mir fehlt jegliches Verständnis für die Zensur durch den WDR. Erst recht, da kein Verstoß gegen die Programmrichtlinien vorliegt. Auf der Höhe der Zeit scheint beim WDR auch niemand zu sein, denn auf YouTube erfreut sich die Zensursendung größerer Beliebtheit.“
► CDU-Vize Julia Klöckner, die auch der Arbeitsgruppe Medien der Fraktionsvorsitzendenkonferenz vorsteht, erklärte: „Klar ist, dass Interessensverbände im Sinne ihrer Mitglieder Fernsehsendungen beurteilen und kritisieren. Mehr als irritierend ist allerdings, wenn ein Fernsehsender daraufhin reflexartig eine Sendung aus seiner Mediathek löscht.“
► Kritik am Vorgehen des Senders kommt auch aus dessen Rundfunkrat selbst. Dieter Horky, selbst Mitglied des Gremiums für den Bundesverband Bildender Künstler, schloss sich zwar der Kritik an der Sendung an, kritisiert jedoch die Löschung: „Es war eine schlechte Sendung, einfach misslungen. Das hätte ich Herrn Plasberg in dieser Form nicht zugetraut. Aber das ist kein Grund, die Sendung aus der Mediathek zu nehmen. Wenn es um schlechte Sendungen geht, dann müsste der WDR viele Sendungen aus der Mediathek entfernen. Aber das gilt für alle Sender.“
► Die CDU-Familienpolitikerin Christina Schwarzer sagte BILD: „Das Thema Gleichstellung ist sehr wichtig, aber hier ist der Rundfunkrat vor einer bestimmten Lobbygruppe eingeknickt. Das ist nichts anderes als Zensur, dann können wir Talkshows auch gleich gänzlich abschaffen.“
Fans feiern Thomalla bei Facebook
Auf Facebook feiern die Fans der Schauspielerin jetzt ihren Protest gegen die Zensur.
Martin Gaus schreibt an Thomalla: „Alle feiern dich. Und der Frauenrat kratzt die Schulden von Alice Schwarzer zusammen“. Gero Bergmann schreibt: „Wo leben wir eigentlich, dass Verbände Sendungen im Fernsehen verbieten lassen.“
Raphael Vogt meint: „Eine Frau, die sagt, was sie denkt, sehr reflektiert ist, für ihre manchmal andere Meinung einsteht und meiner Meinung nach sehr gut in solche Runde passt. Gut, dass du dir so etwas nicht gefallen lässt. Dickes Like dafür.“
FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki (63), der ebenfalls Talkgast der gelöschten Sendung war, macht auf Facebook seiner Entrüstung über die Entscheidung des Rundfunkrates auf Facebook Luft: „Wir leben in einem freien Land, in dem es selbstverständlich sein sollte, seine Meinung auch frei zu äußern. Man musste diese Sendung nicht mögen. Aber dass sie ein Angriff auf die Gleichstellung der Geschlechter gewesen sein soll, ist Schwachsinn.“ Parteikollege Alexander Graf Lambsdorff (48) pflichtet ihm bei und findet den Vorgang „unfassbar“.
Frauenrat feiert „Ohrfeige für Plasberg“
Der Deutsche Frauenrat feiert hingegen die Entscheidung des Rundfunkrates als Erfolg. In einer Pressemitteilung spricht der Verband von einer „Ohrfeige für Plasberg“. Dass diese Sendung in den „Giftschrank“ kommt, wird vom Frauenrat hoch gelobt: Allein die Gästeauswahl sei „nicht dazu geeignet gewesen, eine faire Diskussion über Geschlechterforschung zu führen“. Das Ziel der Sendung sei gewesen, die Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik „lächerlich zu machen“.
Gleichzeitig werfen sie der bei Plasberg polarisierenden Autorin Birgit Kelle vor, eine Rechtspopulistin zu sein, die mit ihrem Buch „Gender Gaga“ Frank Plasberg und seine Redaktion zu jener „Ampelmännchen“-Sendung inspiriert haben soll.
Auch hierauf reagiert Kubicki mit deutlichem Unverständnis: „Frau Kelle, übrigens auch eine Frau, zur Rechtspopulistin zu erklären, nur weil sie eine andere Auffassung vertritt, spricht gegen den Frauenrat, der offensichtlich nicht mehr argumentieren, sondern nur noch denunzieren will.“
Die Denunzierte selbst sprach inzwischen von einem „Possenspiel“ einiger „weinerlicher Feministinnen“. Kelle erklärte, sie habe keinerlei Verständnis für die Entscheidung des Rundfunkrates und attackierte den Frauenrat, die Vorwürfe gegenüber der Sendung seien haltlos.
Unterstützung kommt dabei von ungewohnter Seite: Der netzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz (44) spricht auf Twitter von Zensur: „Man kann die Plasberg-Sendung doof oder geschmacklos finden. Gern soll man sie scharf kritisieren. Zensieren sollte man sie aber keinesfalls.“
Quelle: Bild.de






